
Willkommen bei den Sch‘tis
Filmstart: 30.10.
Regie: Dany Boon;
Darsteller: Kad Merad, Dany Boon, Zoé Félix, Anne Marivin u.a.
20 Millionen Zuschauer! Fast ein Drittel der Bevölkerung! Da kann man schon ins Staunen geraten, wenn man die Zuschauerzahlen aus Frankreich zu dieser Komödie von Dany Boon hört. Der Komiker und Regisseur Boon spielt selbst eine der Hauptrollen: den Postbeamten Antoine. Der Angehörige der Sprachminderheit Sch’tis lebt in dem kleinen nordfranzösischen Ort Bergues; für ihn ist es das Paradies, für den Rest der Franzosen die Hölle. Und genau in diese Hölle wird Postfilialleiter Philippe aus dem sonnigen Süden versetzt, also mitten rein in eine Gegend, in der es nach Philippes Vorurteil entweder regnet oder schneit und in der die zurückgebliebene Bevölkerung einen komplett unverständlichen Dialekt spricht. Ohne Frau und Sohn tritt Philippe seine beschwerliche Reise an – und trifft auf einfache, aber sehr herzliche Menschen wie Antoine in einem wunderbaren Landstrich. Da Philippes Frau ihn aber bei seinen Wochenenden im Süden vor lauter Mitleid verwöhnt und die seit Jahren kriselnde Beziehung sich dadurch stabilisiert, beschließt der Beamte, gegenüber seiner Frau weiterhin die Mär von der Hölle in Nordfrankreich aufrecht zu erhalten. Bis diese beschließt, ihn in Bergues zu besuchen …
Die Ankündigung vom Verleih, man habe für die deutsche Fassung des Films Christoph Maria Herbst engagiert, damit er eine Kunstsprache für den nordfranzösischen Slang entwickelt, ließ einen Böses ahnen. Wann hat so ein Kunstgriff schon mal funktioniert? Doch siehe da: Das Sch’ti-Kunstsprech funktioniert blendend. Herbst (er selbst hat Antoine synchronisiert) bediente sich einiger simpler Dreher – sch statt s und umgekehrt, dazu das Verdrehen einiger Vokale – und schon entsteht ein lustiger Dialekt, der sehr an das Idiom der Averner im legendären Comic "Asterix und der Avernerschild" erinnert. Doch damit nicht genug strotzt der Film vor liebevollen Gags, prima Schauspielern und einem guten Timing. So kommt man bestens gelaunt aus dem Kino und begrüßt die Passanten mit einem kräftigen "Schalut schuschammen!"
Martin Schwarz
Stand: 16.10.2008